Schockfotos auf Bierdeckeln?

Wer heutzutage Tabakwaren kauft, kennt den Anblick: Möglichst abstoßende, auf Schockwirkung abzielende Bilder erinnern die Konsumenten bei jedem Einkauf daran, wie die Spätfolgen ihres Konsums aussehen könnten. Kanada führte die Schockbilder 2001 ein, und seit 2013 gibt es eine entsprechende EU-Vorschrift. Bereits 2008 – lange vor den Raucher-Schockern – gab es einen Vorstoß, ähnliche Bilder auf Bierdeckel drucken zu lassen, initiiert von der damaligen Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Sabine Bätzing (SPD). Die Idee, vor allem komasaufende Jugendliche mit abstoßenden Bildern zu verantwortungsvollem Alkoholkonsum zu inspirieren, führte jedoch nicht zu einem entsprechenden Gesetz. Die Polizeiliche Kriminalprävention griff – gemeinsam mit Frau Bätzing als Schirmherrin – die Idee jedoch im folgenden Jahr in ihrer „Don’t drink too much – Stay Gold“-Kampagne auf Bierdeckeln und Plakaten auf und sprach damit vor allem wiederum junge Menschen an.


Inzwischen sind die Ekel-Bierdeckel aus deutschen Bierschwemmen wieder verschwunden. Im Grunde gibt es ja auch eine Menge schönerer Motive, die man auf Bierdeckel drucken kann. Und der Alkoholkonsum unter Jugendlichen ist seit 2007 stark rückläufig – von 26,7% (mindestens einmal wöchentlich) auf 11,7% in 2019, so eine Statistik der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung BZgA. Ganz vom Tisch ist die Idee freilich nicht: Ein EU-Sonderausschuss zur Krebsbekämpfung empfahl erst im Dezember 2021, Schockbilder auf Weinetiketten drucken zu lassen. Derzeit sieht es allerdings nicht so aus, als ob dieser Vorstoß auch umgesetzt werden würde.

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